So schnell kann sich das Leben ändern

Gerd suchte auf dem Trödelmarkt nach brauchbaren Werkzeugen für sein neues Vorhaben. Er wollte der Bäuerin beweisen, dass er dazu fähig ist einen eigenen Garten für Salate und Gemüse hochzuziehen.

Nun ging er raschen Schrittes auf den Mann mit der Schubkarre zu, um schneller zu sein, wie die beiden anderen, die von links kamen. Er sprach den Mann mit der Karre an, was denn da unter dem Spaten und der Schaufel noch alles liegen würde. Der Alte schob seinen Hut zurecht und guckte Gerd abschätzend an. Dann schaute er auf Gerds Hände, schüttelte leicht seinen Kopf, dass die strupigen Haare unter dem Hut hervorkamen. Bedächtig antwortete er Gerd, dass da seine Gartenwerkzeuge liegen würden, Baumschere, Rechen, Mistgabel, Heckenschere, Bindzeug und so – warum fragst du? Du kannst doch dieses Zeug eh nicht brauchen. Da sind deine Hände dazu nicht geeignet.

Gerd protestierte und sagte, man kann doch alles lernen! Was willst du für die Karre mitsamt dem Zeug drauf haben? Der Alte musterte Gerd nochmals eingehend und sagte dann, ok, ich sehe deinen Willen, hier hau ab damit. Ehe Gerd antworten konnte, verschwand der Alte in der Menge. Gerd rief ihm nach und wollte grad nachlaufen, da sah er links die beiden Männer und stoppte. Halt, erst mal den Karren in Sicherheit bringen. Benommen ging er um die Karre herum und packte beherzt die beiden Griffe, hob an und schob die Karre Richtung Ausgang. Er machte große Schritte und stieß dabei immer wieder mit dem Schienbein an die Kufen der Karre. Mann, ich schaff das schon – ich werde lernen. Er dachte wieder an den zweifelnden Blick der Bäuerin. Im Geiste sah er schon seinen Garten vor sich.

Gerd musste wohl eine halbe Stunde nach Hause schieben. Ihm begegneten Menschen, die seine ungewöhnlich Fracht und dann ihn ansahen und den Kopf schüttelten. Erst war es ihm peinlich, dann kam der Trotz, denen werd ich´s zeigen. Zuhause angekommen stand er erst ratlos vor der Eingangstür. Wie sollte er die Karre in den Keller bringen? Die Werkzeuge, kein Problem, neben meinen Fahrrad haben die Platz, aber die Karre? Er überlegte, wer war denn dieser Alte gewesen, dann war er plötzlich verschwunden? Er überlegte weiter, erst die Idee mit dem Garten, dann die Absage der Stadt, dann die Idee mit dem Bauern, der ungläubige Blick der Bäuerin, dann wieder dieser Alte? Vor einiger Zeit hatte er von einer Bekannten das Buch „Mutige Träume“ bekommen und in einer Nacht durchgelesen. Er fühlte beim Lesen, dass das real war, was Viloldo da schrieb. Dann brachte er das Buch Renate zurück, sie war grad in ihrem Garten beschäftigt. Er dachte, schön hat sie´s hier. Der Garten.

Gerd guckte auf seine Uhr. Halb zwei, das geht.