Eine Krise als Beginn eines glücklichen Lebens

Natur Harmonisierung InFormer Verantwortung

Es war einmal Gerhard (den Namen hab ich unwillkürlich gewählt), der sich Gedanken machte, wie er sich gesund und ausreichend ernähren könne. Er war durch das herrschende Chaos arbeitslos geworden und hatte keine Hoffnung, wieder bei seiner Firma eingestellt zu werden. Gerd traf sich regelmäßig mit seinen engen Freunden und sprach eben grad dieses Thema an. Er erhielt viele Antworten, aber keine befriedigte ihn. „Du ich kenn eine Ernährungsberaterin, die ist echt gut“; „am besten fragst du Milli, die hat ja schon mal was im Magen gehabt und kann dir sicher einen Rat geben“; „der Hugo ist doch Arzt, Mensch da geh hin“… usf.

Gerd war betreten, weil er eigentlich was ganz anders erwartet hätte – ja was eigentlich!  Er ging nach Hause und setzte sich wieder an seinen Rechner.

Da kam diese Mail: ins Handeln kommen!

Ja das wars – aber wie. Er tippte so auf der Tastatur rum. Da kam er auf die Seite seiner Gemeinde und – die boten einen Kleingarten zur Pacht an. Da funkte es bei ihm gewaltig. „Mensch, warum bin ich darauf nicht selber gekommen. Es war noch keine 16 Uhr. Er tippte die Telefonnummer und es meldete sich tatsächlich eine Stimme, „hallo, was gibt es“ – er ergänzte für sich leise – „jetzt um diese Zeit noch?“. „Ja, sie haben da einen Kleingarten zum Pachten ausgeschrieben. Den würd ich gerne pachten“. „ok, kommen Sie morgen zu mir ins Amt, da können wir drüber sprechen“. Er: „wieso drüber sprechen! Ich will ihn haben. Die Bilder sind gut und ich ..“ er stockte, „kenn mich mit Gärten gut aus“. Sie: „ Sie müssen einen Verdienstausweis, Personalausweis und Ihre Bankkontonummer mitbringen, für den Bankeinzug“.

Er: „ich bin Arbeitslos und beziehe noch bis September Arbeitslosengeld, dann Hartz4 oder so, kenn mich da nicht aus“. Sie: „wenn das so ist, kann ich Ihnen den Garten sowieso nicht geben!“ Er: „aber deswegen brauch ich den Garten doch gerade!!“ Sie: „das geht nicht. Ich hab jetzt Schluss. Rufen Sie morgen nochmals durch.“ Aha, so ist das bei uns also. Die brauchen sich doch keine Sorgen machen, am Monatsende ist das Geld wieder auf dem Konto – aber ich!

Etwas benommen legt er sein Handy neben sich auf den Tisch. Bei ihm kreisten die Gedanken wie ne Mary-Go-Round. Dann „so läuft das hier – aber nicht mit mir! Ich brauch frische Luft“, sagte er laut zu sich. Er rannte die Treppen in den Keller runter und hätte fast seine Nachbarin umgerannt. Holte sein Fahrrad raus und brauste die Straße hinunter Richtung Wald. Ihm fiel der Film „Der Hauptmann von Köpenick“ ein.

Die frische Luft, der Geruch von Harz und von Bäumen tat gut, seine Gedanken klärten sich und er brachte Ordnung rein. Wieder draußen und auf einem Feldweg angelangt, radelte er in Richtung eines kleinen Dorfes weiter. Da kam der erste Hof und irgendwas ließ ihn abbiegen und reinfahren. Er stieg vom Rad ab und klopfte an die Türe. Eine Stimme sagte, „was willst, wir brauchen nichts“. Er: „ ich hätt eine Frage, hätten Sie ein Stück brachliegendes Land, nur ein kleines, vielleicht in einer Ecke, wo ihr mit euren großen Maschinen nicht rankommt?“. Stille. Er machte die Tür auf und ging einfach rein. Es war etwas dämmrig. Am Ofen stand eine junge Frau und musterte ihn streng. „Ein Stück Land wollen Sie? Wir verkaufen nichts!“. „Nein, nur zur Pacht, ich möchte da Salat und Kartoffel anbauen“. „Du?“ „Ja ich, ich will mich selber versorgen, nichts mehr aus dem Supermarkt holen!“ Gerd atmete tief ein und war über seine Worte selber überrascht. Was hat ihn dazu bewogen, eine solche Aussage zu machen? Er hat sich doch noch nie darum gekümmert, wo die Sachen vom Supermarkt herkamen, war ihm doch wurst gewesen – bis plötzlich jetzt. Ja, ich will nicht mehr im Supermarkt einkaufen, dann müssen die auch was verändern. Neulich stand doch sogar in der Tageszeitung ein Artikel über schlechte Qualität der Waren, zuviel Zucker und Geschmachsverstärker, Farbstoffe, dass es schöner aussieht und so fort.

Er merkte, dass sich ihn ihm was verändert. Er streckte sich und stand nun kerzengerade vor der Frau. Sie musterte ihn immer noch, nun schon etwas freundlicher. „Du kannst das? Nein, das glaub ich dir nicht. Guck deine Hände an, die haben doch noch nie eine Schaufel gehalten! Aber ich finde es gut von dir, dass du dir darüber Gedanken machst, woher dein Salat zukünftig kommen kann. Du bist kräftig und könntest das schon lernen“. Sie wendet sich ihm nun voll zu.

Gerd war etwas zurück getreten, um Raum zwischen ihnen zu haben. Ihm war plötzlich gar nicht mehr so wohl bei dem Gedanken, einen Spaten in die Hand nehmen zu müssen und die Erde um zu graben. Pu, das ist ja Arbeit. Aber nun meldet sich in seinem Innern wieder diese Stimme, nun schon lauter. „Mach das!“ Die Frau, nachdenklich, sagte nun, dass sie mit ihrem Papa sprechen wird und er solle am Wochenende nochmal vorbeischauen.

Gerd ging etwas benommen raus, stieg auf sein Rad und fuhr los, wie er meinte, zurück nach Hause. Nach einigen hundert Meter merkte er jedoch, dass es die verkehrte Richtung war. Er wendete und war gar nicht verärgert über sich, weil er verkehrt weg gefahren ist. Seine Gedanken kamen zur Ruhe und er überlegte, woher er plötzlich diesen Mut genommen hat, selber Gemüse anzubauen, das Land zu bebauen. Durch die Bewegung an der frischen Luft, der Wald, der Geruch von Harz und diese Freiheit um ihn rum, ließen ihn in sich tiefer blicken. Oder war es die Veränderung der Frau, als sie ihn ansah und antwortete, dass er das schon lernen könne?

Und da fühlte er so was wie Glück in sich und dass das schon lange auf ihn gewartet hat, wieder ganz Mensch zu sein, Verantwortung zu tragen – für sich und die Umwelt. Er begann laut vor sich hin zu singen und fuhr glücklich nach Hause.

Nun liebe Freunde, denkt diese kleine Geschichte selber weiter. Vielleicht kommen euch da auch tiefere Gedanken und ihr erkennt, was Menschsein wirklich ist.

Ich für mich hab erkannt, dass die Eigenverantwortung fürs Leben, also für das was man tut oder unterlässt das Ziel bestimmt und nicht das, was man sich einbildet, was das Ziel ist. Wird man offen und unverkrampft, dann kommen die wahren Ziele hoch und leiten uns dahin – nämlich Mensch zu sein, Schöpfer zu sein und für alles was wir tun oder unterlassen, die Verantwortung zu tragen – auch für das um uns – heute.

In diesem Sinne verbleibe ich und wünsche euch tiefe Gedanken, am besten im Wald,

euer

Max